Mit Abstand am meisten Wildunfälle passieren in der BRD mit Rehen!
Mit Abstand am meisten Wildunfälle passieren in der BRD mit Rehen!

Wildunfälle -

eine Gefährdung für Mensch und Tier 

 

Die Bilder kennt jeder von uns: Tiere, die tot auf der Straße oder am Straßenrand liegen. Katzen, Hasen, Vögel, .. und vor allem Rehe! Letztere sieht man nicht lange, weil sie schnell weggeräumt werden und deshalb treten sie nicht so ins Bewusstsein.

 

Die Anzahl der Wildunfälle ist in der BRD sehr hoch. In Bayern waren es 2016 knapp über 70.000. Und die Anzahl der Wildunfälle steigt! Steigende Wildunfälle aber gefährden nicht nur Tiere sondern eben auch Menschen. Zudem führen sie zu hohen volkswirtschaftlichen Schäden, die 2013 in der BRD 575.00 Mill. Euro betrugen. 

 

Zahlen aus Bayern, speziell Mittelfranken 2006 - 2016

Immer wieder werden amtliche Zahlen veröffentlicht. Die jüngste Schriftliche Anfrage für Bayern von MdL Harry Scheuenstuhl (SPD) vom 08.05.2017 (Quelle: https://bayernspd-landtag.de/anfrage-wildunfaelle-595243c457b70.pdf) bezieht sich auf Wildunfälle in Verbindung mit Kraftfahrzeugen in Bayern und speziell in Mittelfranken im Zeitraum 2006 bis 2016.  In Bayern und speziell in Mittelfranken sind demnach von 2006 – 2016 belegt die Wildunfälle um 50% gestiegen. Auch wenn bei den Angaben Rot-, Dam- und Rehwild mangels Quellenlage zusammen genommen sind, findet sich der absolute Schwerpunkt beim Rehwild, denn in Mittelfranken gibt es kein Rotwild und so gut wie kein Damwild. In Mittelfranken gehen gut ¾ aller Wildunfälle (6074 von 7829) auf Rehe zurück! Tendenziell ist das in ganz Bayern und in weiten teilen Deutschlands so. 

 

Lösungen?

Die Antwort auf diese Schriftliche Anfrage beim Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr  weist darauf hin, dass die Gründe dafür vielfältig sind und es „kein generelles Allheilmittel“ gibt. Man probiert so manches Mittel: Warnreflektoren, Duftzäune, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Hinweisschilder ... Allerdings fehlt etwas ganz Grundlegendes, denn den sehr hohen, für den Wald gemäß des Forstlichen Gutachtens vielerorts zu hohen Rehwildbestand könnte man reduzieren! Immerhin weist die Antwort abschließend zumindest darauf hin: „Bei der Maßnahmenfindung sollte die Absenkung der Schalenwildbestände im Umfeld der Wildunfallhäufungsstelle als eine mögliche Option zur Verfügung stehen.“ Bei einer entsprechenden gesetzeskonformen Bejagung würden hohe volkswirtschaftliche Schäden im Wald und in der Versicherungsbranche und die Gefährdung von Menschen deutlich zurück gehen. Auch unter diesen Gesichtspunkten führt an dem guten bayerischen Gesetzesgrundsatz „Wald vor Wild“ nichts vorbei. 

 

Studie der TU München zu Rehwilddichte - Verbissgutachten - Unterbejagung

Der Zusammenhang zwischen Rehwilddichte, Forstlichem Gutachten und Wildunfällen ist wissenschaftlich belegt. Bereits 2010 erschien die Studie der TU München "Risikoschätzung Wildunfälle in Bayern" von Torsten Hothorn, Roland Brandl und Jörg Müller (Large-scale model-based assessment of deer-vehicle collision risk. PLoS ONE, 2012. Quelle: http://www.stat.uni-muenchen.de/~hothorn/wildunfall.html).

 

Kurzbeschreibung dieser wissenschaftlichen Studie

"Seit 1986 wird von der Bayerischen Forstverwaltung alle drei Jahre bayernweit über eine Stichprobeninventur die Verjüngungssituation der Waldbäume erhoben. Die Verwendung dieser Daten als Grundlage für die Abschussempfehlungen in den "Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung" wird seit einiger Zeit kontrovers diskutiert. Basierend auf den Ergebnissen der Forstlichen Gutachten 2006 und 2009, und damit auf ca. 3,2 Millionen Einzelbäumen, wurde nun untersucht, ob einerseits die Abschussempfehlungen der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Verjüngungssituation tatsächlich widerspiegeln und andererseits die Empfehlungen eine Auswirkung auf die Verjüngungssituation nach drei Jahren zeigte. Wie die gerade von Hothorn und Müller in der Fachzeitschrift Forest Ecology and Management publizierten Analysen zeigen, sind die Abschussempfehlungen klar an den Verbissprozenten orientiert. Die Empfehlungen zu erhöhten Abschüssen haben zu einer deutlichen Verbesserung der Verjüngungssituation nach drei Jahren geführt. Damit wird gezeigt, da das Verfahren, in einem mehrheitlich von privaten Jägern ausgeübtem Jagdsystem gut geeignet ist, die gesetzlichen Vorgaben zur Bejagung und Waldverjüngung effektiv zu unterstützen." (TU München https://www.uni-muenchen.de/informationen_fuer/presse/presseinformationen/2010/f-44-10.html)

 

Rehwilddichten anpassen!

Wie so häufig liegt die Lösung, mit der man Tierleid, die Gefährdung von Menschen und auch wirtschaftliche Schäden signifikant reduzieren und den dringend notwendigen klimatoleranten Waldbau fördern könnte,sehr nahe. Aber all das hilft nichts, wenn man sie nicht umsetzt! - Waidmannsheil! 

 

Es gibt viele revierweise Erfahrungen, dass dort, wo die Rehwildbestände an den Lebensraum angepasst wurden, einmal die Verjüngung im Wald wächst und andererseits die Verkehrsunfälle signifikant (bis 95% und mehr) zurück gingen. 

 

Zu den Bildern und dem Film 

Die Bilder unten zeigen Wildunfälle und Maßnahmen, die solche verhindern sollen. 

Die beiden Bilder mit Rehen auf der Fahrbahn (wenn auch in schlechter Qualität) und der kurze Film (ebenfalls in schlechter Qualität) sind mir zufällig bei der Fahrt in mein Jagdrevier gelungen. Der Film zeigt wie ein ganzer Sprung Rehe (eine Gruppe) auf die Straße zuläuft und diese dann überquert. Genau an dieser Stelle  ereignen sich viele Wildunfälle mit Rehwild. 

Dr. Wolfgang Kornder

 

Eingestellt: 171030

© Dr. W. Kornder